Anja VOSDINGH BESSEM


Anja Vosdingh Bessem -
oder die Ästhetik sinnlicher Lebensfreude
"Die Kunst ist niemals keusch." Das stammt nicht von ihr. Doch Anja Vosdingh Bessem würde diesen apodiktischen Aphorismus von Pablo Picasso wohl sofort unterschreiben. Denn das zentrale Sujet der Amsterdamer Künstlerin ist der Mensch, der nackte Mensch - vor allem die Frau. Allerdings: Strichmännchen und Strichfräuchen sind ihre Sache nicht. Denn die charakteristischen Skulpturen der Bildhauerin verkörpern Figuren der puren Lebensfülle: Frauen im Vollbesitz einer selbstbewussten Weiblichkeit.
Sie sagt: "Ich suche nicht nach irgendeiner Art von Naturalismus ... nein, ich suche nach etwas, bei dem man sofort ganz echt fühlen soll, dass es um Sensualität und Sinnlichkeit geht."

Kunst der üppigen Rundungen

Signifikant für das Schaffen der Niederländerin sind Frauen-Skulpturen mit einem üppig gerundeten Korpus - meist selbstbewusste Frauen, die sich ihrer Körperlichkeit erfreuen. Da können sich beim Betrachter, gerade im deutschsprachigen Kulturraum, schnell längst redensartliche Assoziationen einstellen wie "Rubens-Frau" oder "barock". Wobei anzumerken ist, dass die Kunsthistorie mit Sicherheit durchaus eine produktive Linie ist, die Anja Vosdingh Bessem mit ihren Plastiken aus Bronze und Stein in die Jetztzeit erweitert. Ihr Studium an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam während der 1970er Jahre gründete speziell im Fach der Bildhauerei stark auf Tradition, Wahrnehmungskraft und handwerklichem Können - Werte, die sich in ihren Werken deutlich widerspiegeln.

Die Amsterdamer Künstlerin liebt insbesondere die Happtik des schöpferischen Prozesses. Die Formung der Formen. "Mein Thema ist die lebhafte, mit reichen Kurven bescherte und sonnig gelaunte Frau", sagt Anja Vosdingh Bessem. Ihre Arbeit im Atelier ist von Leidenschaft geprägt; ihre Skulpturen kennzeichnet eine Ästhetik der Sinnlichkeit und Lebensfreude. Ihr Credo: "Meine Frauen sind schwül, erotisch, sinnlich, aber nicht ordinär." Die bevorzugten Materialien der Bildhauerin sind Bronze, Stein und Terrakotta, daneben gibt es immer wieder auch Arbeiten in Holz.

Quellen der Inspiration

Sie ist eine ebenso wache wie einfühlsame Beobachterin der Menschen und des Alltagslebens - und lässt sich dadurch zu ihren Arbeiten inspirieren: "Zu jeder Figur gehört eine Geschichte". Das kann auch die Literatur sein. Als sie einmal eine Frauen-Skulptur in einer sehr erotischen Pose geschaffen hatte, wollte sie diese "Die Entdeckung des Himmels" nennen - nach dem Roman von Harry Mulisch, der in Deutschland ebenfalls ein Bestseller wurde. Damals arbeitete die Künstlerin viel mit dem auch durch Hollywood bekannt gewordenen niederländischen Film-Star Jeroen Krabbé zusammen. Und dank Krabbés Initiative gab Mulisch die Erlaubnis, dass Anja Vosdingh Bessem ihre Skulptur nach dem berühmten Buch benennen durfte.

Es ist eine Figur aus einem reichen Œuvre von Format, dessen Können sich in verschiedensten Formaten erweist: Die Amsterdamerin arbeitet mit ganz kleinen, kleineren und großen (bisweilen menschhohen) Skulpturen. Das kommt dem Geschmack unterschiedlich interessierter Sammler entgegen. Anja Vosdingh Bessem ist zudem eine engagierte Kunstdozentin, die in ihren Kursen nicht zuletzt auf der modernen Hirnforschung aufbaut: "Zeichnen mit der rechten Gehirnhälfte" nach der US-Kunstwissenschaftlerin Betty Edwards ist ein Kernangebot ihres Programms ebenso wie die Kreation von Köpfen in Ton und das bildhauerische Modellieren von Porträts.

Anja Vosdingh Bessem, Jahrgang 1953, ist in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen mit ihren Werken vertreten, insbesondere natürlich in den Niederlanden. Wir schätzen es sehr, diese Künstlerin exklusiv in Deutschland vertreten zu können.


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