Herbert ZANGS


ZANGS kommt!
Zwei aus Krefeld:
Herbert Zangs und die Galerie Heidefeld & Partner


Die Revolution fand im Verborgenen statt. Unbemerkt, unbeachtet und lange Zeit, sehr lange Zeit, auch von Experten unentdeckt. Freilich war es keine Revolution der roten Fahnen - sondern ein Aufbruch und Ausbruch in fundamental neuer Monochromie - in absolutem Weiß, in einem mitunter gleißenden Weiß. Das ist jetzt nahezu sieben Jahrzehnte her. Der heimliche Revolutionär, der ab Anfang der 1950er Jahre begann, einen Avantgarde-Beitrag zur modernen Kunstgeschichte zu schreiben, war der Krefelder Herbert Zangs. Ein Ausnahme-Künstler, der auf vielfältige, auch biografische Weise mit der Galerie Heidefeld & Partner in seiner Heimatstadt Krefeld verbunden war, es ist und es bleibt.

Seine produktiven Hände. Das Titelbild der Einladung "Meilensteine - 75 Jahre Herbert Zangs" im Jahre 1999.


Beuys über Zangs: "Eine vitale Naturerscheinung"

Der heimliche Revolutionär kam manchen, die das Erlebnis hatten, ihm zu begegnen, sogar eine irritierende Spur unheimlich vor. Er hatte ein außergewöhnliches Temperament, das immer wieder überraschte und verblüffte: Zangs war exzentrisch und egozentrisch, mal ungestüm bis aufdringlich, urtümlich und eigentümlich, zugleich sperrig und offen, aber immer wieder auch charmant und zugewandt. Kein Zweifel, hier lebte ein leidenschaftlicher, auch künstlerischer Einzelgänger nach seinem eigenen, höchst individuellen Kompass - und jenseits einengender Konventionen. So kam es zuweilen vor, dass der Mann unauffindbar war - vor allem dann, wenn es eigentlich zwingend darauf ankam, etwa bei der Vereinbarung von künstlerischen Aufträgen und der Vorbereitung von Ausstellungen. Er ließ (selbst große) Chancen sausen, weil er dann, nach Gefühl und Impuls, Anderes vorhatte - was auch immer. Seine Schwester Doris Kemmler summiert es salopp: "Er wusste immer, ins Fettnäpfchen zu treten."

Sein Künstler-Freund Joseph Beuys, mit dem er ab 1945 zusammen an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte (und die dort beide ihren Kommilitonen auch dadurch auffielen, dass sie ein niederrheinisch gefärbtes Deutsch bevorzugten), charakterisiert Herbert Zangs treffsicher als "eine vitale Naturerscheinung".

Einblicke: Der Ausnahme-Künstler von außen gesehen. Herbert Zangs in der Galerie am Krefelder Ostwall. Ein Foto aus dem Jahre 1997.


Akzente für ein differenzierteres Bild von Zangs

Egon Heidefeld kann aus langer persönlicher Erfahrung und Begegnung das verfestigte Zangs-Bild vom unberechenbaren Phänomen durch andere Facetten bereichern: "In seinen späteren Jahren habe ich Herbert Zangs auch ganz anders erlebt - als zuverlässigen und kooperationsbereiten Künstler."



Die Rückkehr eines fast Vergessenen

Längst tritt der heimliche Revolutionär, gerade auch in jüngster Zeit, deutlich aus dem Dunkel der Verborgenheit und des (beinahe) Vergessens. Allmählich gewinnt Zangs jene Wertschätzung und Geltung, die ihm zukommt. Denn der Mann, der in Paris mit Henry Miller um die Häuser zog und sich wunderte, dass seine Bekanntschaft Marlene Dietrich wohl nie Alkohol trank, formulierte vor allem ab Anfang der 1950er Jahre eine singuläre und bedeutende Vorgeschichte zur Malerei der Nachkriegszeit. Seine revolutionäre Rolle als Pionier einer neuartigen, experimentellen Kunst wird jetzt immer stärker und nachhaltiger wahrgenommen. Denn der Krefelder nahm vieles vorweg, was nachher in der internationalen Kunstwelt Furore machte. So inspirierte er z.B. ZERO, Beuys und Mack, Uecker und Pietro Manzoni.

Ein Bahnbrecher - auch für ZERO

Kein Wunder mithin, dass berühmte Mitglieder der ZERO-Bewegung wie Otto Piene und Heinz Mack den Krefelder bewundern und in ihm einen Wegbereiter ihrer eigenen Kunstrichtung sehen. Doch Zangs bleibt Zangs - und entzieht sich allen Versuchen, ihn als Protagonisten der ZERO-Gilde zu gewinnen. Er positioniert sich auch hier als der gleichsam monolithische Individualist, dem es widerstrebt, sich einzureihen, selbst wenn es sich um einen experimentellen Avantgarde-Kontext von Ähnlichgesinnten handelt. Er ist der Einzelgänger par excellence und per Egozentrik. Insbesondere die ZERO-Künstler sehen in dem Krefelder zurecht den richtungsweisenden Bahnbrecher, den innovativen Schrittmacher, der lange vor ZERO neue, verwandte Ausdrucksformen prägt und vorwegnimmt.

Der Künstler signiert. Herbert Zangs trägt sich ins Galerie-Gästebuch ein. Wie immer mit markanten Schriftzügen.


"Die Avantgarde ... will Kunst machen. Basta!"

So wenig er sich aus der Mitgliedschaft in Künstlergruppen macht, so wenig ist er vor allem in seinen frühen Jahren bereit und willens, die Usancen des Kunstmarkts zu bedienen oder gar eine aktive Eigenvermarktung zu betreiben. Im Gegenteil: Sein Credo bleibt die bedingungslose Freiheit. "Die Avantgarde, zu der ich mich zähle, hat nicht den materiellen Erfolg als Ziel. Sie will Kunst machen. Basta!" Nein, auf Geld, Ruhm und Ansehen ist dieser Ausnahme-Künstler nicht versessen - er fiebert gleichsam nach dem Rausch der Aktion. So schreibt er in einem biografischen Rückblick: "Was mich zuallererst interessierte, war meine Aktivität. Ich wollte malen. Wenn mir das gelang, war mir alles andere egal, auch das Schicksal meiner Bilder." So entstand über Jahrzehnte ein großes, vielfältiges und vielformatiges Oeuvre von singulärer Geltung.

Frage in einem Interview: "Was bedeutet Ihnen die Malerei?" Herbert Zangs: "Alles!". Und seine Definition von Kunst stellt das Schöpferische, das Bahnbrechende ins Zentrum. Er sagt: "Das ist Kunst, weil es das vorher nicht gegeben hat." Es war schon 1950, als ihm Paul Wember, der legendäre Direktor des Krefelder Kaiser Wilhelm Museums und ein Entdecker, eine erste Einzelausstellung widmet. Ein erster Durchbruch. In den Fünfzigern steigt seine Bekanntheit. Mit der Zeit aber wird es viele Jahre still um ihn. Still und stiller.

Kunstgespräch am Kaffeetisch. Herbert Zangs und seine Lebensgefährtin Josefine Ochs privat zu Gast beim Galeristen Egon Heidefeld. Es waren immer anregende Unterhaltungen.


Der Aufstieg im aktuellen Kunstmarkt

Doch: Zangs kommt!
Die aktuelle Wahrnehmung und Nachfrage auf dem Kunstmarkt wächst seit einiger Zeit deutlich. Dafür gibt es klare Indizien, auch in medialen Feuilletons. Egon Heidefeld: "Das Interesse an seinem Werk steigt eindeutig, speziell auch an den bahnbrechenden Zangs-Arbeiten aus den 1950er Jahren. Hier sind die Preise auf dem Kunstmarkt innerhalb der letzten zwei Jahre beträchtlich angezogen, teilweise bis zur Verdoppelung und sogar mehr." Mittlerweile hängen Zangs-Werke in vielen bedeutenden, internationalen Museen und Sammlungen. Egon Heidefeld: "Und auch der Kreis seiner Sammler vergrößert sich stetig."



Eng verbunden: Zangs und die Galerie Heidefeld & Partner

Was verbindet Herbert Zangs mit der Galerie Heidefeld & Partner? Nun, das ist, buchstäblich, eine lange Geschichte. Sie beginnt Mitte der 1990er Jahre. Eines Tages erschien der Künstler unvermittelt in den Galerie-Räumen am Krefelder Ostwall. Und fragte, ob Egon Heidefeld einige seiner Werke dort ausstellen könne. Damals wohnte Zangs gerade gut 200 Meter entfernt im "Hansa Hotel", direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Das bedeutete: Kurze Wege zur Galerie. In dem Hotel hatte er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Josefine Ochs für einige Jahre ein Doppelzimmer unter dem Dach bezogen.

Zangs-Bild mit Blumen. Florales gehört nicht zu den typischen Sujets seines Schaffens, aber über das Bouquet hat er sich gefreut: Herbert Zangs am 27. März 1999, seinem 75. Geburtstag, in der Galerie Heidefeld & Partner - anlässlich der Ausstellung "Meilensteine - 75 Jahre Herbert Zangs".


Es war der Beginn einer engen Verbundenheit: "Fast jeden Tag schaute er in der Galerie vorbei", erinnert sich Galerist Egon Heidefeld. Das änderte sich bis zum Tode von Herbert Zangs nur wenig, wiewohl der Maler im Alter lange Jahre im Rollstuhl unterwegs sein musste, da seine beiden Beine, infolge einer schlecht behandelten Diabetes, amputiert worden waren. Durch die regen Kontakte und Gespräche wurde der Krefelder Künstler für Egon Heidefeld zu einem "wirklich nahen, sehr guten Bekannten." Die Galerie hatte das Glück, so manche Arbeit direkt vom Künstler erwerben zu können.

Unvergessen sind gemeinsame Reisen zu Kunstmessen und Kunst-Events, beispielsweise der "Artfair" und der "Art Cologne" in Köln. Ein besonderer Höhepunkt und für den Maler eine exzeptionelle Station seiner Karriere war die Ausstellungs-Reise von Zangs, begleitet von Egon Heidefeld, nach Paris (das der Künstler so liebte), zur großen Werkschau "L'Empreinte" im Centre Pompidou. Das weltbekannte Museum präsentierte dabei zentral Werke von vier Großen der neueren Kunstgeschichte: Arman, Fontana, Manzoni - und eben Zangs.



Der Maler wirkte manchmal auch als künstlerischer Botschafter seiner Heimatstadt: Im Jahre 2000 widmete das New Walk Museum in Leicester dem Maler und vier weiteren Künstlern aus Krefeld eine Ausstellung. Leicester ist die britische Partnerstadt von Krefeld. Die Galerie Heidefeld & Partner hatte den Zangs-Beitrag zu dieser Werkschau kuratiert.

Das Werk-Spektrum im Galerie-Portfolio

Die Galerie Heidefeld & Partner offeriert seit nahezu drei Jahrzehnten alle Spektren der Welt von Herbert Zangs. Dazu zählen natürlich insbesondere auch Werke der berühmt gewordenen "Verweißungen", mit denen der Krefelder in den 1950er Jahren international wirklich Neuland betrat und eine persönliche, neue Kunstform erschuf. "Meine Verweißungen sind ein Weg zur Abstrahierung und Reduktion der Dinge. Ein Versuch der Vergeistigung in der Phantasie." Als solche Arbeiten damals entstanden, stieß das ungestüme Naturell der "vitalen Naturerscheinung" (Beuys) namens Zangs erstaunlicherweise an Grenzen. Der Künstler hatte Hemmungen, manche Bilder in diesem kompromisslosen Weiß irgendjemandem zu zeigen - weil sie damals so fremdartig erschienen.

Die Galerie Heidefeld & Partner offeriert als Zangs-Spezialist zudem Werke der ebenfalls bedeutenden "Einknüpfungen" (die ab 1953 entstanden), der "Rechenzeichen-Bilder" (ab 1953/54), der "Faltungen" und weißen Relief-Bilder (1955 - 1958) sowie aus der Reihe seiner "Expansionen". Und von 1955 löst Herbert Zangs sein Schaffen auch von der Hingabe an das alleinige, pure Weiß: Farbe kommt ins Spiel. Meist monochrom. Rot und Blau. Er kreiert seine "Scheibenwischer-Bilder". Nomen ist hier ebenfalls Omen: Zangs erzielt durch den Farbauftrag mit Scheibenwischern eine neue visuelle Dynamik und Struktur.





1958 vollzieht der Künstler einen anderen markanten Wandel: An die Stelle des puren Weiß tritt das pure Schwarz. Monochrome Werke. Ruhige Rhythmik. Suggestive Tiefe.

Doch Herbert Zangs ist weit mehr, viel mehr als der absolute Avantgardist der 50er Jahre. Sein ?uvre bewegt sich in vielfältigen Dimensionen. Die Galerie Heidefeld & Partner handelt auch mit Zangs-Werken aus den 1960er Jahren, späteren Arbeiten und - als ganz besonderer Rarität - mit der kleinen Reihe seiner "England-Bilder". Diese Seltenheiten sind 1958 entstanden, als der Künstler für einige Zeit in London lebte. In der britischen Metropole wurden die "England-Bilder" auch zum allerersten Mal ausgestellt - 1958 in der Drian Gallery. Die Werke haben, trotz ihres Serien-Titels, nichts mit der Verbindung zu Krefelds britischer Partnerstadt Leicester zu tun.

Ein Maler auf (Lebens)Reisen

Herbert Zangs war ein existenzieller Reisender. Ein reisender Maler und ein malender Reisender. Immer wieder Frankreich, wo er viele Jahre lebte und auch ein kleines Haus besaß. Italien, Spanien, Nordafrika. Und viele Länder mehr. Er entdeckt die Welt - oft als Anhalter. Schläft auch schon mal unter Brücken wie ein Clochard. Irgendwie fühlt er sich wohl immer irgendwo zeitweise zuhause - nur nicht in den Grenzen einer bürgerlichen Welt.

Das Reisen, die oft ruhelose Erkundung neuer Ziele macht einen wesentlichen Teil seines Schaffens aus. In seinen späten Jahren war das kaum mehr möglich. Die Zuckerkrankheit mit der Amputation beider Beine schränkte seine Beweglichkeit dramatisch ein. Die letzten vier, fünf Jahre seines Lebens wohnte Herbert Zangs, immer noch ein vitales Unikum, in einem Seniorenheim am Krefelder Wilmendyk. Dort ist er 2003 auch gestorben.

Der rastlose Reisende. Jahrzehntelang war er immer wieder in aller Welt unterwegs. Doch seine letzten Lebensjahre musste Herbert Zangs aufgrund einer Diabetes-bedingten Amputation beider Beine im Rollstuhl verbringen (hier mit Partnerin Josefine Ochs).

Der Künstler war ein Freund und Bekannter mancher Berühmtheit. Es gibt eine Vielzahl von Anekdoten über ihn. So überaus reich sein Schaffen war, so prekär war der Mann oft knapp bei Kasse. Am Ende dieses kurzen Galerie-Porträts von Herbert Zangs soll eine Anekdote stehen: Als der Künstler einmal in New York lebte, mal wieder klamm, behalf er sich mit seinem genialen Talent - und bediente ein Publikum des Zufalls. Er stand am Times Square und arbeitete für ein paar Dollar als Straßenmaler. Er stand da nicht allein, denn geboten wurde Malerei mit musikalischer Untermalung. Der junge Barde, der ihm damals half, sollte noch viel berühmter werden als der Krefelder. Weltberühmt. Sogar Nobelpreisträger.
Es war Bob Dylan.



Die Herbert Zangs-Ausstellungen der
Galerie Heidefeld & Partner:


1994       "Herbert Zangs". Eine Werkschau
1996       "Herbert Zangs. Der Avantgardist"
1997       "Meilensteine" - Herbert Zangs
1999       "75 Jahre Herbert Zangs". Eine Ausstellung zum 75.
                Geburtstag des Künstlers
2004/
2005       "Einblicke - Herbert Zangs", gemeinsam mit
                der befreundeten Galerie Christian Fochem
2007       "Herbert Zangs - Arbeiten von 1952 - 54",
                gemeinsam mit der befreundeten Galerie Fochem
2014       "Herbert Zangs - Arbeiten aus dem Nachlass"
2017       "Encounters. Begegnungen." - Gesamtschau der
                Galerie Heidefeld & Partner mit einer
                Sonder-Präsentation "Herbert Zangs"








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